Hast du zwei Minuten für mich? – Perfekt!

DU MUSST – Wie oft hast du diese Worte heute bereits zu dir gesagt? Ich muss gut aussehen, mich schminken, abnehmen, ins Bild passen, die Erwartungen erfüllen, hierbleiben! Ich kenne kaum eine Frau, die nicht mit den Erwartungen und Ansprüchen oftmals vermittelt durch die Medien, ihres Umfeldes und ihrem eigenen Selbstbild zu kämpfen hat! Diese Zweifel, Ängste und Begrenzungen, die dieses Denkmuster herbeiführen, rauben uns unsere Kräfte. Dabei ist es doch genau das, was wir möchten. Leuchten, strahlen, unsere Herzen öffnen und endlich in unsere Power kommen!

Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Die Geschichte eines Mädchens, welches unter dem Druck dieser beiden Worte krank wurde, sich selbst verlor und eines Tages Hilfeschreie hörte. Es war ihr Herz, was flehte, endlich erhört zu werden!

Dieses Mädchen wollte anderen gefallen, Anerkennung sammeln, hübsch, klug, schlank und perfekt zugleich sein. Alles schaffen, es allen Recht machen        und alles erreichen, was andere ihr als erstrebenswert aufzeigten: einen 1er Abschluss, als Model auf dem Cover einer Zeitschrift, die perfekte Figur und vieles mehr. Sie erreichte alles, was andere wollten, aber folgte nie ihrem eigenen Herzen! Doch eines Tages, nach 19 Jahren, waren ihre Augen leer,          müde und farblos geworden.

Dieses Mädchen war ich mit 18. Traurig, leer und am Ende meiner Kräfte. Heute bin ich 23 Jahre, gründe mein eigenes Unternehmen, um Affen in Afrika zu schützen und ihnen ein neues Zuhause zu schenken.

Damals kam der Moment, an dem ich wusste, dass es Zeit war, etwas zu ändern und als hätte das Universum die Notbremse gezogen, tat sich mir die Möglichkeit auf, als Tierschützerin in Afrika zu arbeiten. Afrika, der Ort von dem ich seit ich denken konnte, fasziniert war. Wilde Tiere, unendliche Weiten und tiefrote Abendhimmel. Afrika ließ mein Herz endlich wieder höherschlagen.

Und so buchte ich meine Flüge und verließ Deutschland am 14.09.2015 für 6 Wochen. Die anfängliche Euphorie verwandelte sich schnell in eine Heidenangst, die von einer turbulenten Anreise verstärkt wurde. Denn ich hatte nicht nur mit Flugverspätungen zu kämpfen, sodass ich fast meine Anschlüsse verpasst hätte, sondern wurde zu allem Übel in Johannesburg am Flughafen sitzen gelassen. Niemand kam mich abholen! Bereits da wäre ich am liebsten in den nächsten Flieger zurück nach Deutschland gestiegen.

Nach einer kurzen Einführung in Johannesburg wurde ich schließlich doch in meine Station gebracht: ein Center zur Auswilderung von Löwen. Meine Güte war ich nervös! Und als ich meinen ersten Babylöwen sah, war ich Feuer und Flamme. Diese Flamme erlosch allerdings in jenem Moment, als sich rausstellte, dass diese Farm die Tiere gar nicht auswilderte und schützte, sondern züchtete, krankmachte und an die Großjagd verkaufte. Doch nicht nur diese Erkenntnis machte die ersten beiden Wochen zur Hölle, sondern vor allem die Besitzerin der Farm, die uns immer wieder den Strom abstellte, wenn wir sie mit der Wahrheit konfrontierten. Zu allem Übel ließ sie uns ihre Wäsche waschen, das Auto putzen und Unkraut jäten. Im Grunde waren wir Haushaltshilfen, die dafür noch eine Menge Geld zahlten! Nach diesen zwei Wochen überlegte ich tatsächlich erneut, die Reise abzubrechen und nach Hause zu fliegen, anstatt das andere gebuchte Center zu besuchen: eine Farm zur Auswilderung von Affen.

Dort angekommen, brach ich völlig zusammen, denn ich war nicht nur auf meiner Reise beklaut worden, sondern erlebte einen Kulturschock der besonderen Art! – Vor Ort nächtigten wir in Mehrbettlehmhütten mit vielen andere Helfern und Insekten, die überall krabbelten. Geduscht wurde in Bretterverschlägen draußen und die Toiletten, ebenfalls draußen, spülten nur mäßig. Ventilatoren gab es in den fensterlosen Hütten keine. Ich hatte nicht viel erwartet, aber als ich an jenem Abend auf dem Weg in die Dusche in Affenscheiße trat, heulte ich 30 Minuten ununterbrochen unter dem eiskalten Wasser, weil ich nervlich am Ende war. Für kein Geld der Welt würde ich mir zwei weitere Höllenwochen antun!

Doch dann kam Barney

Mein erster Arbeitstag mit den Affen veränderte alles. Barney war ein kleines Affenbaby, das total traumatisiert war, kein Vertrauen fand und die Helfer ablehnte. Sein Zustand war kritisch! Und genau dieser hilfebedürftige kleine Knirps entschied sich in jenem Moment, als er mich sah, dass ich es sei, der er sein Herz schenken wollte! Ab dieser Stunde waren wir unzertrennlich, Barney legte an Gewicht zu und die Zeit verging viel zu schnell. Plötzlich wollte ich den Ort, den ich am Anfang gehasst hatte, am liebsten nie wieder verlassen! Mir war egal, dass ich aus dem Koffer lebte, kalt duschte, keine Privatsphäre hatte und hin und wieder unerreichbar blieb. Plötzlich ergab es Sinn, 10 Stunden täglich zu arbeiten und morgens um halb sechs aufzustehen. Auf einmal ergab alles einen Sinn! – Jeder Stolperstein und jede Träne hatten mich hierhergeführt, an den Ort, an dem ich mein Geschenk für die Welt entdeckte!

Die zwei Wochen waren viel zu schnell um und mein Herz brach in jenem Moment, als ich in den Rückspiegel blickte und die Farm immer kleiner wurde. Von dort aus ging es in den Abschlussurlaub nach Kapstadt, bevor ich nach Hause fliegen würde. Die Tage am Kap waren geprägt von Liebeskummer, verzweifelten Nachrichten und einem Gedanken, der immer stärker wurde: Was, wenn ich zu Barney zurückkehre?

Mein Herz überschlug sich bei der Idee, während mein Kopf mir immer wieder sagte: Du musst nach Hause fliegen. Du musst pünktlich dein Studium beginnen. Du musst dein Abenteuer jetzt beenden. Untermauert wurde dieses Muss von Freunden, meiner Familie und der Arbeit.

Doch als ich weinend am Check-In-Schalter in Kapstadt stand und den Koffer aufs Band legen wollte, griff der Mitarbeiter meine Hand und sprach aus, was ich mich selbst nie getraut hatte zu sagen: „Folge deinem Herzen!“

Und ich tat es. Danach wurde es nicht leichter, sondern es folgte die verrückteste Nacht meines Lebens, die ich am Flughafen einer der gefährlichsten Städte der Welt verbrachte. Dort begegneten mir mitten in der Nacht Menschen, die mir am nächsten Tag halfen, als Frau quer durch Südafrika zu trampen, um zurück zu Barney zu gelangen. Und tatsächlich war ich knapp 24 Stunden später da. Endlich angekommen – bei Barney und mir selbst!

Seither reise ich jedes Jahr nach Afrika, um Affen ein neues Zuhause zu schenken, und gründe nun meine Organisation, um anderen Menschen das Gleiche zu ermöglichen!

Heute ist mein Alltag nicht weniger stressig, sondern noch viel anstrengender. Dennoch fühle ich mich voller Energie, weil ich das tue, was ich liebe. Ich arbeite sehr viel, um all das zu finanzieren, studiere, schreibe meinen Blog, ein Buch und baue ein Unternehmen auf. Manchmal, wenn ich abends im Bett liege, frage ich mich, wie ich das alles schaffe, doch noch bevor ich meine Antwort erhalte, schlafe ich ein. Aber ich bin mir sicher, dass mein Herz mir all die Energie gibt, die es hat, weil ich endlich akzeptiert habe, dass es trommelt!

Tja und das ist meine Geschichte! Verrückt, aufregend, authentisch und affig! Sie hat Höhen und Tiefen, Rückschläge und Fortschritte und wird begleitet von Momenten voller Trauer und Angst sowie Liebe und Hoffnung. Meine Geschichte ist kein Märchen, aber das macht sie noch lange nicht zu einem Drama. Denn das ist ganz einfach das Leben! – Auch du hast deine Geschichte, wenn du dich traust, sie zu erzählen. Dafür musst du einfach nur deinem Herzen folgen, aus deiner Komfortzone heraustreten und den Mut aufbringen, alle Hürden, die auf dich warten, zu überwinden. Denn dann werden Dinge möglich, die du dir sonst nicht einmal erträumt hättest! Fang heute an und mach aus dem „Ich muss anderen gefallen“ ein „Ich darf meine Wunder wahr werden lassen!“

Mehr Informationen

Michelle Schreiber 

affis.adventures

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